Von A nach B kommen (und nach C, D und E) in Sri Lanka

Zuerst einmal: Willst du es auf die harte oder die sanfte Tour? Sri Lanka ist ein atemberaubend schönes, vielfältiges Land, wo es Einiges zu entdecken gibt. Wenn du dich also von Colombo per Shuttle in dein Hotel bringen lassen und dort die nächsten zwei Wochen die Anlage nicht verlassen möchtest, verpasst du so ziemlich alles, was das Land zu bieten hat.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Reisen in Sri Lanka eigentlich einfach und, wenn man ein paar Dinge in Kauf nimmt, unschlagbar günstig sein kann. Aber halt dann auch nicht so komfortabel.

Wir erzählen hier exemplarisch von unserer Route, da wir jedes Transportmittel mindestens einmal genutzt und damit gute oder schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Am internationalen Flughafen in Negombo (circa 45 Minuten nördlich von Colombo Downtown) angekommen war unser erster Schritt uns eine SIM Karte zu kaufen, dort gibt es nach dem Zoll gleich fünf verschiedene Stellen wo man eine Karte kaufen kann. Der gute, wortkarge Mann am Schalter richtet sie auch gleich ein. Wir waren bei Hutch und haben für 14 GB 1400RS (immer fein durch 200 teilen, dann hast du EUR) bezahlt. Haben aber auch nicht die Preise verglichen ehrlich gesagt. Über den Empfang konnten wir nicht meckern. Für uns war eine SIM Karte unabdingbar, da man so schnell bei GoogleMaps gucken kann, und, da haben wir unser erstes Transportmittel, einen Fahrer bei PickMe bestellen kann.

PickMe und Uber

PickMe ist das singhalesische Pendant zu Uber und funktionierte in Negombo und Colombo tadellos. Man kann seine Kreditkarte hinterlegen und muss nicht lange um einen Preis feilschen. Man kann sich einen Roller, ein Tuktuk oder ein Auto kommen lassen. Die Fahrer waren durchweg pünktlich und freundlich und Fahrten so um die 4-5 km kosten im Schnitt 150RS. PickMe hat aber leider manchmal Probleme mit dem Empfang, sodass man die Fahrten nicht mitverfolgen kann, oder wie in unserem Fall recht häufig in anderen Teilen des Landes: Der Fahrer nimmt die Fahrt an und kommt dann nicht. Gerade in Kandy haben wir deswegen mit Uber bessere Erfahrungen gemacht.

Die meisten fahren von Negombo entweder weiter in die Berge nach Kandy (wovon wir dringend abraten würden, aber dazu unten weiter mehr) oder runter in den Süden zu den touristischeren Strandorten (besser!).

Mit dem Zug

Wir haben von Negombo aus den Zug genommen, es waren letztendlich fünf Stunden Zugfahrt für 300RS, also echt spottbillig. Hier aber unser erstes Wort zur Vorsicht: Die Züge sind gerappelt voll, und wenn man denkt, so jetzt geht echt nichts mehr, steigen noch ein paar ein. Die meisten Strecken gehen über die Haltestelle „Colombo Fort“, wenn du es also irgendwie möglich machen kannst, steige eine oder mehrere Haltestellen vorher ein. In Colombo Fort springen die Einheimischen schon auf den fahrenden Zug auf und da nimmt niemand mehr auf den anderen Rücksicht (ausser du bist schwanger oder hast ein kleines Kind mit). Wir sind bereits in Negombo eingestiegen und hatten leider trotzdem keinen Platz mehr bekommen, obwohl der Zug da noch deutlich leerer war. Also hiess es für uns stehen. Wenn der Zug bremst fällst du aber trotzdem nicht um weil der nächste Mitreisende 15-20cm von dir entfernt steht. Trotz offener Fenster und Türen (wenn du stehst, versuch zur Tür zu kommen, da ist die Luft am besten) ist es sehr heiss in dem Zug, also unbedingt was zu trinken mitnehmen. Wir sahen nach der Fahrt aus wie Rosinen.

Mit dem Bus

Ein nächstes spannendes, aber wohl auch das gefährlichste Transportmittel ist der Bus: In Hikkaduwa angekommen haben wir den Bus zum Hotel genommen. Der Bus hat keine festen Preise, kann also sein, dass du als Tourist das Doppelte bezahlst. Es sind trotzdem nur Cent Beträge, also reg dich nicht auf, du bist im Urlaub. Der Busplan bei GoogleMaps ist zuverlässig und die Busse fahren pünktlich (Hey, das ist für so ein chaotisches Land echt nicht selbstverständlich!). Wir haben für eine Busfahrt von Hikkaduwa nach Tangalle (etwa vier Stunden Fahrt) 350RS bezahlt, und sind uns ziemlich sicher, dass das eine Abzocke war. Der Fahrer und sein Beifahrer haben sich hämisch angegrinst, aber das kann uns auch egal sein, ist in Deutschland alles deutlich teurer.

Vor allem wenn man Lust hat, seinem Leben vorzeitig ein Ende zu machen, sollte man den Bus nehmen. Kein Witz, die Busse sind die Könige der Strasse und fahren so irre, dass du denkst du stirbst. Nebenei läuft Partymusik oder ein Bollywoodfilm. Für den Bus gilt noch: Je kleiner dein Gepäck, desto besser. Wir hatten unsere grossen Rucksäcke dabei und hatten Glück die irgendwo neben uns platzieren zu können. Um das fahrende Partysuiziderlebnis mal mitmachen zu können einfach an eine Bushaltestelle stellen und den Arm heben, die Busfahrer sagen dir auch wo sie hinfahren, das steht an den meisten Bussen leider nicht dran.

Die typischen Busse in Sri Lanka.

Mit privaten Fahrern

Wenn du dir sagst, dass du den Urlaub gerne heile überstehen möchtest und jetzt nicht ein ganz armer Schlucker bist empfehlen wir dir private Fahrer. Dafür muss man in Sri Lanka nicht Krösus sein. Unseren ersten Fahrer haben wir in Tangalle vom Hotel vermittelt bekommen und der gute Mann hat uns für 8500RS vier Stunden ins Bergdorf Ella kutschiert. Das ist klar teurer als der Bus aber tausend mal schneller und komfortabler. Ab Tangalle gibt es auch Richtung Osten keine Züge mehr, dadurch bist du da wirklich auf Bus, Tuktuk und Fahrer angewiesen.

Ein Tipp: Wenn du über Uber oder PickMe einen Fahrer gefunden hast, dann frag ihn gleich nach seiner WhattsApp und handle mit ihm die nächsten Fahrten aus. Wenn möglich, buche deinen Transport nicht über die Unterkunft. Nur als Beispiel: Im Osten des Landes gibt es nahezu keinerlei Infrastruktur. Du bist auf Tuktukfahrer, die du triffst und deine Hotels angewiesen. Laut Hotel sollte die Fahrt von Passikudah nach Batticaloa (35 km) 9000RS kosten, ein Tuktukfahrer, den wir bei WhatsApp angeschrieben haben hat es für 1500RS gemacht. In Ella kostete das vom Hotel bestellte Tuktuk auch das dreifache des normalen Preises.

Ein Muss: Die Zugfahrt von Ella nach Kandy

Wohl eines der Touristenhighlights schlechthin ist die Zugfahrt von Kandy nach Ella oder andersrum. Ich habe auf einem anderen Blog gelesen, dass die meisten erst von Colombo nach Kandy fahren und dann runter nach Ella, weswegen der Zug wohl immer bumsvoll ist. Die Bloggerin empfahl erst nach Ella und dann mit dem Zug nach Kandy zu fahren und wir waren unendlich dankbar für den Tipp.

Es gibt am Tag insgesamt drei Züge von Ella nach Kandy, um 6:40 und 9:40, das sind sogenannte Expresszüge (brauchen trotzdem sieben Stunden) und dann noch mal einen Localtrain gegen 14 Uhr, der braucht dann aber 10 Stunden. Tu dir das nicht an. Bitte.

In den Zügen gibt es 1., 2., und 3. Klasse. Wobei die erste Klasse nicht empfehlenswert ist, da man die Fenster nicht aufmachen kann und daher keine guten Fotos machen kann. Und Fotos machen ist eigentlich alles was du in den sieben Stunden machen kannst. Unbedingt versuchen einen Sitzplatz zu reservieren! Das geht leider in diesem hochmodernen Land nur telefonisch unter der 365 (noch ein guter Grund eine SIM Karte zu kaufen) oder an jedem X-beliebigen Bahnhof, sofern du denn einen kooperativen Mitarbeiter am Schalter hast. Der Mann an unserem Schalter sagte, es wären keine Reservierungen möglich, 5 Minuten später hat er unserem einheimischen Fahrer zwei Fahrkarten für uns gegeben. Das macht Land und Leute manchmal echt unsympathisch. Wir hatten die dritte Klasse mit Sitzplatzreservierung für 400RS pro Person. Dritte Klasse ist auch wirklich allemal ausreichend.

Wenn du in Kandy ankommst wirst du erschlagen von richtig nervig, aufdringlich, dreisten Tuktukfahrern. Wenn du aus dem Bahnhof rauskommst ist da ein grosser Kreisel, der uns aber eher vorkam wie ein asphaltiertes, rundes Tor zur Hölle. Achte auf dein Gepäck, schau nicht nach rechts und links, geh über die Strasse zum alten Postgebäude und ignorier zu deinem eigenen Wohl jeden dieser Typen. Du bist kaputt von der Fahrt und es ist heiss und laut und die labern dich voll. Nimm dir einen Uberfahrer zu deinem Hotel. Die Tuktuk Fahrer werden sagen, dass das nicht geht, ist aber Quatsch.

Jeder Travelblogger, der nur ein bisschen was auf sich hält macht dieses Foto.

Mit dem Roller oder eigenem Tuktuk

Eine weitere Option ist noch, dass du dir vor allem in touristischen Orten wie Bentota, Hikkaduwa und Unawatuna einen Roller leihst. Sollte so um die 5 EUR pro Tag kosten. In Sri Lanka ist Linksverkehr und der Verkehr ist wie in allen asiatischen Ländern nicht ganz ohne. Wir hatten eine Roller in Batticaloa und uns macht das eigentlich Spass. Denk dann aber dran nötigenfalls einen internationalen Fuehrerschein mitzunehmen falls du mal in eine Polizeikontrolle kommst. Ist uns nicht passiert, laut Berichten soll die Polizei aber wohl recht korrupt sein. Also immer vorsichtig und lieb sein und nicht so viel Bargeld mitnehmen, dann können sie dir auch nicht so viel abnehmen.

Man kann sich auch in Colombo für die Reisezeit ein eigenes Tuktuk mieten, das hat sicherlich die Vorteile, dass man unabhängig ist und Stauraum hat für sein Gepäck sowie vor dem Regen geschützt ist. Allerdings ist es wohl auch das langsamste Transportmittel.

Mit dem Flugzeug oder Hubschrauber

Eine richtig coole Sache die wir euch noch empfehlen können ist das Reisen per kleinem Flugzeug oder Hubschrauber. Die Firma Helitours ist ein Unternehmen der Sri Lankan Royal Airforce und nutzt ihre Flotte dazu um Zivilisten und Mitglieder der Airforce von A nach B zu bringen. Die Flieger landen auf Flughäfen rund um die ganze Insel. Rathmalana ist ein Flughafen in Colombo, von da aus gibt es Flüge nach Jaffna, Trincomalee, Batticaloa und Ampara.

Der Buchungsprozess ist sehr unbürokratisch, man schickt einfach eine Email mit den gewünschten Reisedaten dahin mit einer Kopie des Reisepasses. Bis zuletzt waren wir uns wirklich nicht sicher, dass das wirklich klappt, da sie es mit Bestätigungen oder Terminen nicht so haben. Wir sollten sonntags unsere Tickets kaufen und dann war einfach mal niemand da. Daraufhin konnten wir dann am Dienstag wiederkommen. Wenn man von der Buchung nicht zurueckschreckt ist das eine super Sache. Wir sind von Batticaloa nach Ratmalana geflogen haben dafür 50 Minuten gebraucht, statt der sieben Stunden mit dem Auto. Die Strecke hat 6900RS gekostet, also auch noch voll in Ordnung.

Weitere Infos dazu hier: http://www.helitours.lk/Military_rate.html

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man also sagen: Hast du Zeit und wenig Geld, nimm den Zug oder den Bus. Ist echt günstig, abenteuerlich und du siehst richtig viel vom Land und Leben.

Hast du Geld und wenig Zeit versuche so viel wie möglich mit privaten Fahrern, Uber, PickMe und Flugzeug zu machen.

Tuktuks ohne PickMe oder Uber nimmst du, wenn du dich gern aufregst, gerne diskutierst, gerne übers Ohr gehauen wirst (besonders in Colombo wird dringend von abgeraten) oder wenn wirklich, wirklich, wirklich nichts mehr anderes geht.

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